
Der italienische Künstler bruno da Todi kommt aus Umbrien, wo er an der Kunstakademie Perugia studiert hat und anschließend 23 Jahre lang als „Professore di storia dell’ arte“ tätig war. Er lebt und arbeitet heute in Nürnberg. Er hat zahlreiche Ausstellungen in Italien, Frankreich und Deutschland durchgeführt und bei Kunstwettbewerben nationale und internationale Preise errungen.

Meine Motivation
In meinen Bildern und Skulpturen spreche ich seit mehr als 50 Jahren über die Menschenrechte, die von Beginn an und bis heute von vielen unterzeichnenden Ländern verletzt wurden und werden. Dieses Engagement habe ich noch verstärkt, seit ich in Nürnberg, der Stadt der Menschenrechte lebe. Viele der 30 Artikel haben mich an Tatsachen, Geschichten oder Begebenheiten erinnert, die ich zum Teil selbst erlebt habe, so wie sicherlich jeder von uns zahlreiche Beispiele für die Missachtung der Menschenrechte aufzählen könnte. Es ist ein Thema, das mir, auch als ehemaligem Kriegskind in Italien, persönlich am Herzen liegt und das uns alle überall und immer angeht.
Ebenso oft handeln meine Arbeiten von den Menschenpflichten, die 1997 in der Charta des „InterAction Council“ als Ergänzung zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von ehemaligen Staatsmännern wie Helmut Schmidt, Valéry Giscard d’Estaing und Jimmy Carter zusammengestellt und den Vereinten Nationen vorgelegt wurden.
Themen
Meine Bilder, Skulpturen, Planken und Reliefs sind politisch, kritisch oder ironisch, erzählen von der Evolution, vom Erscheinen der Menschheit auf der Erde, von ihrer Transformation und auch von ihrem vorherzusehenden Verschwinden. Von göttlichen und menschlichen Dreistigkeiten in der griechischen und römischen Mythologie über Dante Alighieris Geschichten im „Inferno“ bis zum heutigen Tag: Immer geht es um den Menschen und die Nichtachtung der Menschenrechte, die Nichterfüllung der Menschenpflichten, um das Leiden der Opfer von Krieg, Gewalt, Hass und Rassismus. Das ganze Spektrum menschlicher Eigenschaften suggeriert mir meine abstrakt vermenschlichten Formen. Große und kleine Ereignisse im Verlauf unserer Geschichte werden selbstkritisch und oft ironisch dargestellt. Im Vordergrund stehen der Wunsch und das Bedürfnis, moralisch, aber ohne Moralismus, zu verstehen, was um uns herum, mit uns und durch uns geschieht. Es sind meine Gedanken über die einfache Komplexität unserer Existenz, über die Geschichte und das Handeln unserer Gesellschaft, über unser gedankenloses Zertrampeln des winzigen Sandkörnchens im Universum, genannt Erde.
Raum, Material, Technik
Jeder Künstler schafft einen neuen Raum, in dem sein Stil und seine Gedanken eingeschlossen sind. In all meinen Arbeiten ist der Hintergrund des Bildes oder der Skulptur kein Hintergrund, sondern meine räumliche Vision: mein Raum der Gedanken und Erinnerungen an die Stadtmauern und Gemäuer meiner Stadt Todi, an meinen Landsmann Jacopone da Todi, der im Mittelalter die Freiheit des Geistes gegen die Willkür der Mächtigen verteidigte. Sein Kampf und sein Leid in Ketten sind für mich ein ewiges Echo: Sie mahnen uns, dass Würde kein Geschenk ist, sondern eine Errungenschaft, die wir täglich durch unsere Kultur schützen müssen.

Jacopone in Ketten
Die alten Steine der mittelalterlichen Gassen und der etruskischen und römischen Ruinen erzählen mir während meiner nächtlichen Spaziergänge die Geschichte der Bewohner der Stadt Todi von gestern und vorgestern. Die Geschichte des Menschen, dieses seltsamen Menschen, der ich aufmerksam zuhöre, um ihn zu verstehen, kennen zu lernen, und … um mich selbst zu verstehen.


Stoffreste und Socken, Aussonderungen der Konsumgesellschaft, werden von mir wiederaufbereitet, um die Realität, das Echte, keine Kopie des Echten, in meine Bilder einzubringen. Symbole der Menschheit heute, aber auch Zeugnis der antiken umbrischen Ironie und der etruskischen Piratenmentalität, aus denen meine Wurzeln als heutiger Mensch hervorgehen und in denen ich meine Sprache gefunden habe, um das auszudrücken, was ich zu sagen habe….

Die Fähigkeit der Natur, Formen, Farben und Farbtöne zu erschaffen, die nicht zufällig sind, sondern abhängig von einer Aufeinanderfolge von Zeiten, von Effekten und Ereignissen, sind erstaunlich. Die Natur ist schön, aber es interessiert mich nicht, sie einfach nur schön darzustellen, zu kopieren. Denn selbst mit einem persönlichen Stil bleibt es doch nur eine Kopie der Natur. Ich brenne, kratze und höhle aus, bis ich meine ganz persönlichen Formen und Farben entdecke. Durch Brennen und Kratzen schaffe ich es, Formen hervorzuholen, zu entdecken, zu finden, die weder in der Natur noch in der Fantasie noch in der Kreativität des Menschen existieren. Feuer und Kratzen helfen mir, diese neuen Formen und neuen Farbtöne ans Licht zu bringen, die einen neuen Ausdruck lebendig machen, befreit von der Natur, von der Realität und der Erfindung durch den Künstler und offen für neue Formen und Sensationen, neue Farbtöne und Emotionen.

Vita
in Todi (Umbrien, Italien) geboren;
Diplom des Kunstinstituts „B.Betto“ in Perugia;
Diplom der Kunstakademie „P.Vanucci“ in Perugia;
Schüler von Pietro Parigi, Florenz, und Gerardo Dottori;
Habilitation und Lehrtätigkeit in Kunstgeschichte;
seit 1981 als freischaffender Künstler in Nürnberg tätig

